So machst Du Deine App location- und context-fähig

Podcast mit Empfehlungen für App-Publisher: wingu zu Gast bei der Münchner App Agentur Die neue Abteilung

Wenn die Technik verschwindet und nur noch der Wert für den Kunden bleibt, dann bist Du von Magie umgeben. Ganz so poetisch, wie Manuel Raimund und Sebastian Clauß von der Münchner App und Interaction Design Agentur Die neue Abteilung beschreiben wir die Mehrwerte von Location based Service für gewöhnlich nicht. Aber genau diese stehen im Fokus unseres 50-minütigen Gespräches; nachzuhören im Podcast “Status Quo und Zukunft der Location based Services wie Beacons, NFC und Geofencing”.

Location based Service in Deiner App

Location based Service in Deiner App

Nutzer im richtigen Kontext ansprechen zu können und ihnen relevante Informationen zur Verfügung zu stellen - kurzum eine App location-fähig zu machen -: vor dieser Herausforderung standen unsere Kunden bereits. Wir haben deshalb gelungene Use Cases mitgebracht, an denen wir konkret zeigen, dass über Erfolg und Misserfolg von Location based Service nicht die Proximity-Technologien sondern ein schlüssiges Konzept entscheiden. Es genügt nicht, den Standort der Nutzer zu tracken. Was also müssen App-Publisher beim Planen von dynamischen, kontext-relevanten Content wissen?

Location based Service as a commodity. Auch darüber haben wir diskutiert:

  • Warum eine Plattform für Proximity-Technologien nutzen?

  • Chancen für Liquid Content

  • Fragen zur Datensicherheit & DSGVO

  • Status Quo und Zukunft einzelner Technologien, wie

    • Akzeptanz von Bluetooth

    • Battery Drain

    • Usability vor Reichweite

Links aus dem Interview und weiterführende Blogbeiträge:


Über Rückmeldungen - gern auch kontroverse - freuen wir uns genauso wie über das Teilen des Podcasts.

Wesentliche Auszüge aus dem Gespräch “Status Quo und Zukunft der Location based Services wie Beacons, NFC und Geofencing”

(...)

Michael Wolf: Ich habe mit meinem Kompagnon in Hamburg ein Startup gegründet. Wir heißen wingu. Das ist Swahili und bedeutet Wolke. (...) Das passt gut, weil wir ein Cloud-Service gegründet haben rund um Proximity-Technologien.

Manuel Raimund: Das ist auch der Anlass, warum wir sprechen. Proximity-Technologien habt ihr euch auf die Fahnen geschrieben. Wir haben von konzeptioneller Seite her Berührungspunkte (...), aber auch noch Fragezeichen, was auf technischer Seite geht. (...) Deshalb macht es Sinn, diese zwei Seiten mal zu beleuchten.

(...)

Sebastian Clauß: Sag doch mal in verständlichen Worten, was ihr macht, was ihr für Projekte habt, damit es ein bisschen greifbarer wird. Jeder stellt sich das so vor, dass die App weiß, wo ich bin… So in die Richtung geht’s, oder?

Michael Wolf: Im Wesentlichen geht es darum, dass wir Inhalte auf Mobiltelefone spielen - abhängig vom genauen Standort des Nutzers. Das machen wir in ersten Linie mit Hilfe einer mobilen App. Wir haben eine Plattform entwickelt, mit der wie es App-Entwicklern einfach machen, alle Location-Technologien, die momentan zur Verfügung stehen, zu implementieren. Was früher sehr lange gedauert hat - 2-3 Monate, bis iBeacons oder Geofencing stabil implementiert sind -, geht mit unserem SDK und unserer Plattform in ein paar Tagen. Unsere Vision ist es, dass zukünftig jede App es in sich trägt und die Möglichkeit hat, Inhalte abhängig vom Standort und vom Kontext des Nutzers zu verändern oder auszuspielen oder aber gar nicht zur Verfügung zu stellen, weil man weiß, dass sie hier gar nicht relevant sind.

Manuel Raimund: Verstanden. Ich verbaue euer SDK in meine Mobil-App, besorge mir vielleicht noch die Hardware-Peripherie und kann mich dann - aus Publisher-Sicht - konzentrieren auf die konzeptionellen Sachen, auf die Marketing-Aspekte (...) und ihr handelt die komplexen, technischen Dinge im Hintergrund.

Michael Wolf: Ein super Beispiel ist die Essen Motor Show. Die Messe hat eine App und die benutzen unser SDK, um den ganzen Location Service darüber abzuwickeln. Das Gute ist, sie brauchen sich um die Technologien nicht zu kümmern: Sie hängen iBeacons auf oder definieren Geofences auf dem Gelände und haben dann von uns ein Content-Management-System, auf dem sie Videos, Soundfiles, Texte hochladen. Über das SDK wird dieser Inhalt (...) automatisiert in der App ausgespielt, wenn der Nutzer in der Nähe eines iBeacons und Geofence ist.

(...)

Manuel Raimund: Hast Du das Gefühl, das Thema steckt tendenziell in den Kinderschuhen? (...) Wie viel ist noch Grundlagen schaffen und wie viel ist schon gereift?

Michael Wolf: (...) Ja, Location based ist noch recht am Anfang und das ist auch der Grund, warum wir immer noch Use Cases erläutern, was man damit machen kann, damit auch mehr Vorstellungskraft da ist, wie man es als Endkunde nutzen kann.

Wenn man sich jetzt anschaut, wie wir mit unserem SDK und unserer Plattform umgehen, dann haben wir noch eine zweite Herausforderung. Die Service orientierte Architektur. Also eine Software-Entwicklung, die auf mehreren Service beruht, ist in Deutschland noch nicht richtig angekommen. Da versucht jeder, alles selbst zu bauen. Z.B. Bilder-Komprimierungs-Services: Bilder an den Service schicken, sie komprimiert zurückbekommen und sie in der App einfach verwenden. Sich in der App also nur auf das Business zu konzentrieren und alles andere aus verschiedenen Profi-Services zusammen zu bauen. Wir kämpfen ein bisschen an zwei Fronten.

Manuel Raimund: Verstehe. Gab es in den letzten Jahren - auf technischer Ebene - große Durchbrüche, die besonders nennenswert sind? Oder ist es ein stetiger Prozess? (...)

Sebastian Clauß: Mich würde auch interessieren, wie passt das AR Kit 2 mit rein? (...)

Michael Wolf: In erste Linie haben sich die Location Trigger weiterentwickelt. Beacons gibt es seit mittlerweile 4 ½ Jahren. Die hatten am Anfang noch ein Riesenproblem mit der Batterieleistung. Bluetooth war da auch noch nicht soweit, dass man da viele Daten hin- und herschicken konnte. Da hat sich sehr viel getan: Du kannst Beacons ohne Stromanschluss aufhängen, die halten dann bis zu 10 Jahre und funken 40, 50 Meter.

Wo sich aber am meisten tut, ist auf der Software-Seite. Hardware-Herstellern liefern das  Infrastruktur-Management… und wir machen halt den dritten Part, die Utilisation von diesen Devises. Wir legen da sozusagen einen weiteren Software-Layer drauf und benutzten den Beacon, um dort eine Logik nach vorne zu bringen und in die Apps zu implementieren. (...)

Bei uns dreht sich alles um Core Location. Der App-Entwickler kann unseren Dienst nachher kombinieren mit z.B. AR Kid oder der künstlichen Intelligenz. Sodass der Kunde nicht mehr selber bestimmt, an welchem Ort welcher Content ausgespielt wird, sondern die künstliche Intelligenz schaut, was ist eigentlich der effektivste Moment und der effektivste Ort, um genau diesen Content auszuspielen. (...) Aber das ist Zukunftsmusik, da habe ich jetzt kein konkretes Beispiel, wo das nachhaltig implementiert wurde.

Sebastian Clauß: Aber ist ja ein No Brainer, dass das die Zukunft ist. Dass das kein Hype-Thema ist (...). Das ist ja wirklich etwas, wo jedem sofort einleuchtet, macht es Sinn, dass das Ding, auf dem ich so wie so die ganze Zeit herum drücke, mir auch jetzt in diesem Moment zu dem Ort relevante Daten darstellt. Hast du ein paar Beispiele, ein paar Projekte, ein paar Best Practices, die besonders Spaß gemacht haben. Um das ganze Ding etwas greifbarer zu machen. Macht ihr Museums-Apps, Supermarkt-Angebot-Push? Kannst du da ein bisschen aus dem Nähkästchen plaudern?

Michael Wolf: Ich greife unterschiedliche Beispiele aus unterschiedlichen Branchen auf, damit man mal sieht, wie groß die Bandbreite ist. In Österreich: Die Salzburg AG ist zum Einen Energieversorger und hat zum Anderen den öffentlichen Nahverkehr im Programm. Dort ist es so: Sobald ein Tourist in den Bus einsteigt, bekommt er die Information, auf welcher Linie er ist, wo die Linie in Kürze anhält und ob er in der richtigen Linie, wenn er es vorab ausgewählt hat - in seiner Landessprache. Ort und Sprache dienen dazu, den richtigen Content im Bus anzeigt - für diese Person.

Manuel Raimund: In diesem konkreten Fall - bekomme ich da eine Push-Notification? (...)

Michael Wolf: Der Content wird immer zwingend über die App distribuiert, d.h. irgendwo in der App verändert sich Content oder wird Content dargestellt. Und jetzt gibt es zwei Möglichkeiten, wie der Kunde darauf hingewiesen werden kann: Das Eine ist die klassische Push, die man so kennt. D.h. wir müssen den Kunden erst einmal darauf hinweise, hey, da ist jetzt in der App, wo man Tickets buchen kann, etwas passiert und das wird Dich jetzt interessieren. Im zweiten Fall ist es aber so, dass der Kunde die App möglicherweise so wie so auf hat, weil er sich gerade die Route ausgesucht hat und etwas verunsichert ist und eh schauen will, was ist denn die nächste Station? Und in dem Moment, in dem er in den Bus einsteigt, ändern wir dann die App-Oberfläche - so, dass der Kunde dann gleich angesprochen wird, mit dem Inhalt, den ihn genau in diesem Bus interessiert. Den interessiert ja nicht der gesamt Linienfahrplan. Auf dem er sich dann selber heraussuchen muss, was passiert denn hier jetzt gerade. Sondern für ihn ist jetzt genau das relevant, wo er sich gerade befindet.

Sebastian Clauß: D.h. der Bus funkt auch schon noch? Das ist nicht nur geo-basierend, aufgrund von Satellit? Die Busse sagen auch, hey, ich bin Bus 43. Du bist jetzt in mir drin.

Michael Wolf: Genau richtig. Der Vorteil unserer Plattform ist, wir benutzen unterschiedliche Technologien, um das abzuwickeln. Mit dem Geofence - das ist GPS basiert - (...) kann man gut den Busbahnhof abdecken. Hier könnte man die Kunde darauf hinweisen, hier gibt es ein Ticketservice, du kannst auch online buchen, du brauchst dich nicht anstellen, oder die Linie 23 hat Verspätung. Also Sachen, wo der Kontext ein wenig gröber sein kann. Sobald er in den Bus einsteigt, brauchen wir natürlich einen etwas genaueren Kontext, weil wir genau wissen, wo er in diesem Bus sitzt.

Da haben wir zwei Möglichkeiten: Wir können mit dem iBeacon arbeiten, der bis 40 Meter funkt. Wir können ihn aber auch so einstellen, dass er nur 2-3 Meter funkt. D.h. drei iBeacon im Bus positioniert, kann ich mit fast absoluter Sicherheit sagen, dass der jene im Bus sein muss, wenn er den iBeacon sieht. Oder aber ich arbeite mit NFC, wenn wir z.B. gleich eine Ticket-Validierung mitmachen, beim Einchecken und beim Auschecken. (...)

Das ist halt der Vorteil unserer Plattform, dass man alle Technologien abdecken kann. Wir sprechen immer von dem Trigger-Mix. Ganz oft sagen unsere Kunden, wir wollen ein Beacon-Projekt machen. Das sehen wir aber anders. Weil wir sagen, Du musst eigentlich ein Usability-Projekt machen und welche ist die richtige Technologie, um den richtigen Kontext abzudecken. Da kann man nicht einfach sagen, ich entscheide mich für die Technologie.

(...) Wenn wir mal den Schwung machen in die Industrie: Da arbeiten wir u.a. mit Vattenfall in Hamburg und Berlin zusammen. Die haben Pumpen-Kraftwerke mit iBeacon ausgestattet. Der Maintenance-Mitarbeiter kann morgens seine Wartungsrunde gehen und abhängig von seiner genauen Position sagen wir ihm, welche Elemente gerade zu überprüfen sind. Man muss sich vorstellen, in so einem Kraftwerk sind 10 - 15 Tausend Elemente. Und wenn er morgens los läuft, muss er natürlich wissen, was er genau prüft. Während so einer Runde wird der Mitarbeiter oft schnell abgerufen, um was zu reparieren. Und dann kommt er wieder zurück auf seine Runde. Wenn du das durchplanst, musst Du wieder da starten, wo du aufgehört hast. Bei uns ist das so: Er kann von der anderen Seite wieder reinlaufen in das Gebäude, und wir sagen ihm, hey, wo du gerade hier an diesem Eingang bist, da sind noch drei Sachen, die musst du hier noch überprüfen. Prinzip Location und Kontext: Das sind auch Warnhinweise - wenn er in bestimmte Bereiche kommt, wo er Sicherheitsausrüstungen tragen muss oder Gefahren bestehen, dann waren wir ihn auch da über seine mobile App.

Das ist jetzt mal so ein Industrie Case. Zeigt, dass es nicht immer nur Endnutzer sind, mit Werbung oder Push-Nachrichten verbunden sind, oder Advertising zu tun hat. Sondern es kann auch ein interner Business-Prozess sein, der dadurch erleichtert wird.

Für Lego haben wir einen schönen Case gemacht. Auf der Spielwarenmesse in Nürnberg haben die Besucher des LEGO-Standes ein Tablet bekommen, bevor sie auf ihren Rundgang sind. Und abhängig von ihrer genauen Position in den einzelnen Spielewelten haben sie Informationen auf das Tablett bekommen. Da haben wir auch das erste Mal unsere Vision von Liquid Content umgesetzt. Während Du das Tablet gehalten hast und du dich durch die Ausstellung bewegt hast, hat sich der Content dynamisch verändert. (...) Wir nennen das Liquid Content, weil es sich wie Flüssigkeit verändert. (...)

Manuel Raimund: Nehmen wir alle drei Beispiele. Gibt es da so eine Faustregel? Pi mal Daumen-Einschätzung: Ist Hardware der Kostentreiber, (...) ist das ein signifikanter Kostenblock in dem Gesamtkontext oder läuft das dann eher unter ferner liefen - dieses Hardware-Thema.

Michael Wolf: Für Geofence und für den QR-Code brauchst du keine Hardware. Bei uns auf der Plattform kannst Du anfangen, ohne überhaupt Hardware gekauft zu haben. Das ist der einfachste, kostenneutralste Einstieg. Wenn es denn um die iBeacons geht, arbeiten wir mit den wesentlichen europäischen Herstellern zusammen. Und da hat sich in den letzten Jahren unfassbar viel an dem Preis getan. Wir sind von 30, 40 Dollar runter auf 10 Dollar marschiert. Gleichzeitig hat sich die Batterielaufzeit von 3 Monate bis 1 Jahr auf bis zu 10 Jahren hochgetrieben. Es gibt welche, die kannst du in den USB-Pot stecken, die kannst du in die Steckdose stecken, d.h. Das Energiethema ist auch keine Frage mehr.

Also ja, die Infrastruktur ist ein Kostenfaktor, aber die musst du auch nicht all zwei Jahre austauschen. Und wenn es gut geplant ist und man nicht auf die allergünstigste Hardware aus China bestellt, sondern auf die Top-Hersteller setzt, dann hat man da lange was von. Dann ist das ein Infrastruktur-Investment, wird auch oft abgeschrieben über eine längere Zeit. Aber man kann ungefähr rechnen zwischen 10 und 15 Dollar pro Beacon.

Beim NFC-Chip wird es richtig günstig. Da liegen wir zwischen 15 und 25 Cent für einen NFC-Chip, deshalb werden die teilweise in T-Shirts, in Trikots eingearbeitet. Die werden an Produkte geheftet. Das ist eigentlich kein Kostenfaktor mehr, wenn man das Gesamtvolumen und vor allem auch den Nutzen für den Kunden sieht.

Manuel Raimund: Was haben die für eine Reichweite?

Michael Wolf: Zwischen 10 und 15 Zentimetern. Das kann unterschiedlich sein.

Wenn man die Kontext-Reihenfolge sieht - dann ist Geofence der große Hammer, mit dem ich eine größere Fläche belege. (...) Dann die nächste Stufe ist der iBeacon, wo ich zwischen 2 und 40 Meter einstellen kann, je nachdem, wie genau ich werden will. (...) Je wenige und geringer die Frequenz ist, um so länger hält die Batterie. Das ist also der nächste Faktor, wo der Kontext enger gesetzt werden. Und dann sind unser NFC und QR-Code gleichbedeutend. Beim NFC bin ich dann im Zentimeterbereich. Bedeutet also, ich muss wirklich mein Mobiltelefon heran gehalten haben, ich kann mit absoluter Sicherheit sagen, das er vor einem Gegenstand gestanden haben muss oder durch eine gewisse Schranke gegangen sein muss. (...)

Sebastian Clauß: Wenn es um die genaue Lokalisierung geht - können es zwei Beacon oder kann es ein Beacon?

Michael Wolf: Da läuft der Beacon einer Erwartungshaltung hinterher, für die er eigentlich gar nicht gedacht war. Viele denken, Beacon sind sinnvoll für Indoor-Navigation, und zwar die genaue punktuelle Definition, wo befindet sich gerade jemand. Aber: Dafür brauchst du Triangulation - Du brauchst drei Punkte im Raum, von denen du die Entfernung messen kannst. Und dann kann du mit Sicherheit sagen, wo jemand ist.

Es ist aber faktisch so, dass z.B. im Supermarkt oder im Bus, viele Menschen an dir vorbei oder um dich herum laufen. Davon wird natürlich das Bluetooth-Signal beeinflusst. Reflektion, Absorbation - das sind Dinge, die beeinflussen die Funkreichweite des Beacon und umso ungenauer wird die Triangulation. Und meines Erachtens war der Beacon gar nicht für vorgesehen. Sondern er wird dafür missbraucht und das Schlimmste dabei ist, er wird an dieser Leistung gemessen. (...) Wenn es um die Genauigkeit geht, geht es eigentlich um die Frage: Hänge ich einen Beacon auf, lass den nur zwei Meter weit funken, und dann kann ich dir sicher sagen, wenn du diesen Beacon siehst, kannst du nur maximal ein, zwei Meter von diesem Beacon entfernt sein, weil er in einer gewissen Wolke funkt. Nicht die genaue Bestimmung über Triangulation, wo du bist. Sondern ich lege Zonen fest und ich kann dir sicher sagen, dass du in dieser zwei Meter großen Zone bist, weil du den Beacon siehst. (...)

Manuel Raimund: Wie funktioniert das mit der Vermessung eines Raumes?

Michael Wolf: Das sind Dinge, die die Hardware-Hersteller mit dir machen. Wenn wir uns die Top-Hersteller anschauen - Estimote, kontakt.io, Blukii in Süddeutschland -, die bieten dir oft Installationsservice an. (...) Das ist nicht mehr unser Bereich. Sondern wir benutzen danach nur noch die tollen Zonen, die da aufgedeckt oder aufgebaut sind.

Manuel Raimund: Wir sind herumgeschlichen um das Thema Datensicherheit - (...) ist das ein Thema, was aufkommt? Klassischer Weise redet man über einen Opt-In, will der Benutzer das überhaupt, zu geballert werden, was sind so die Voraussetzungen, um die erfüllt haben zu müssen?

Michael Wolf: Die Lieblingsfrage, die wir momentan bekommen, ist die DSGVO. Das Einzige, was wir wissen ist, ob du in der Nähe eines Gegenstandes bist. Das ist also deutlich abstrakter, als wenn ich deine genauen GEO-Koordinaten weiß und diese verarbeite. Ich kann also sagen, da ist irgendwo ein Beacon und du bist da in der Nähe. Ich weiß aber nicht, wo der Beacon ist. Von daher haben wir es deutlich einfacher, was die DSGVO oder überhaupt die Datensicherheit angeht. Wir haben von Anfang an darauf geachtet, dass wir maximal anonymisieren.

Aber nichtsdestotrotz muss irgendwo ein Opt-In stattfinden, dass du Location Service benutzen darfst. Und das wird in erster Linie über die App und über die Bestimmung in der App geregelt. Der App-Install und die Zustimmung der Bedingungen sind der Opt-In. (...)

Manuel Raimund: Also klassischer Best Practice wie bei anderen Permissions auch: Wann frage ich und wie frage ich. Notifications sind eigentlich eine Sache, die ich konzeptionell in meiner App lösen muss: Dass ich erstmal die Nutzer in die App hole, der startet die App und dann erkläre ich ihm, was er jetzt davon hat, wenn er die Location Services aktiviert. (...)

Michael Wolf: Der wesentliche Kern ist, dass du Mehrwerte liefern musst. Meistens enden die Ideen, dass man sagt, ich geb einen 5%-Gutschein oder einen Fünfer hier und einen Fünfer da. Da lassen sich Kunden nicht wirklich aus der Reserve locken. Stell dir mal vor, du gehst mit deinem Kind durch den Zoo und die App kann dir in jedem Moment sagen, was ist das für ein Tier, was futtert es gerne, wo kommt es her, dann vielleicht noch ein bisschen animiert, mit Bildern unterlegt, also so, dass der ganze Zoo ein Erlebnis wird. Dann gehst Du zum Zoo, installierst die App, benutzt sie über den gesamten Zoo-Besuch, hast ein tolles, kindgerechtes Erlebnis, und dann gehst du am Ende aus dem Zoo wieder raus. Und ob du dann den De-Install machst oder auch nicht, das spielt erstmal überhaupt keine Rolle.

Manuel Raimund: Das ist kein Hype-Thema, da kommt am Ende auch wirklich was raus, was wirklich Mehrwert schafft. Und trotzdem, dass wir uns da ganz schnell einigen können, (...) den großen Durchbruch hat es noch nicht gehabt. Was, glaubst du, ist der Grund?

Sebastian Clauß: Manchmal gibt es ja auch Denkblockaden. Gibt es etwas, was du der Menschheit entgegen brüllen würdest. Eh, Location based ist nicht, wie ihr es euch vorstellt, es gilt ein bisschen das Zukunfts-Fass aufzumachen.

Michael Wolf: NFC wird nur mit Payment in Verbindung gebracht. Beacons werden eigentlich nur mit Push-Messages in Verbindung gebracht im Retail-Bereich. Geofencing wird eigentlich nur mit Navigation in Verbindung gebracht. Also man sieht, wie diese Technologien in eine Ecke gedrängt werden. Und das ist eigentlich der Hauptkern, den ich jedem mitgeben würde. Das man mal aus dieser Box heraus denkt. Und nicht sagt, ich habe mal irgendwo gehört, dass ein Beacon-Projekt bei einem Retailer nicht funktioniert hat, weil er nicht genug Reichweite hatte, also wird der Beacon nicht funktionieren. Das ist absoluter Unsinn. Dieser Gegenstand wird nur benutzt, um einen Kontext zu definieren. (...) In unserem Vattenfall Case - da benutzen wir es überhaupt nicht in Sachen Push und auch nicht in einem Retail-Zusammenhang oder in einem Werbe-Zusammenhang.

(...)

Manuel Raimund: Könnte es auch ein Hemmschuh sein, das Kunden sagen, Shit, ich muss mir - wenn ich eine geile Idee habe - selbst die Peripherie schaffen? (...)

Michael Wolf: Also mit Sicherheit. Zunächst muss die Idee da sein, smart sein, wie kannst du Location Content verwenden? Das Nächste ist die Content-Kreation. Es gibt keine Agentur, die sich darauf spezialisiert hat, Inhalte zu entwickeln, die wirklich Location basiert sind. Dann kommt der nächste Faktor - die Trigger. Geofence kannst du digital erstellen. Den Roll-out der Beacons haben die Hersteller inzwischen deutlich einfacher gemacht. Die Beacons werden vorkonfiguriert rausgeschickt. Du brauchst kein Know How, du brauchst keine Softwareentwicklung. Da haben wir also einen Teil der Komplikationen rausgenommen. Dann kommt der dritte Teil: Du hast eine mobile App und da muss der ganze Dienst eingebaut werden. Deshalb ist der Kern unserer Plattform so wichtig: Wir haben ein SDK, das sind 5 bis 10 Zeilen Code, die bindest Du in deine App ein und anschließend brauchst Du dich mit dem Thema Beacon Scanning, wie kommt der Content in deine App, muss ich ein Backend API entwickeln, das bist du komplett los. Auf der gesamten Kette der Komplikationen ist auf dem technischen Bereich sehr sehr viel getan worden, um es so einfach wie möglich zu machen. Und jetzt ist die Frage: Die guten Ideen und der Content müssen jetzt kommen. Weil der Rest ist eigentlich kein Thema mehr.

Manuel Raimund: Gute Situation für Leute wie uns. Für Produkt-Menschen, für Marketeers, für Leute, die sich mit Usability und echter Wertschöpfung für ihre Nutzer befassen. Die richtige Ausgangslage. Du hast nicht mehr riesige Kosten als Blockade, fürchterliche Einrichtungs-Arien, auf die keinen Bock hat, du kannst dich darauf konzentrieren… Wenn die Technik verschwindet und nur noch der Wert bleibt (...) dem Nutzer sollte es egal sein, ob NFC oder iBeacon oder Geofencing; den interessiert doch eigentlich nur, okay, ich bin hier hin und habe jetzt hier etwas Relevantes für mich bekommen.

Sebastian Clauß: … Er ist der nur von Magie umgeben.

Manuel Raimund: Ja, pure Magie.

Michael Wolf: Aus eurer Sicht - warum ist es für euch nicht so super präsent in jedem Projekt? Wo glaubt ihr denn, dass da die Hürde ist?

Sebastian Clauß: Das ist tatsächlich Unverständnis auf unserer Seite. (...) Wir haben nicht so die genaue Antwort parat, wenn der Kunde fragt, eigentlich ist das geil, aber wie aufwändig ist das denn? Ja, ehrlich gesagt, an dem und das wir nie mehr so ein Projekt realisiert haben. Und wirklich das praxisnah geguckt haben.

Manuel Raimund: Viele sind auf der Mobile-Leiter auf Level 2 oder Level 3 und ganz viele sind aber noch total damit beschäftigt, irgendwo Level 1 richtig gut hinzukriegen. Die Basics. Es hat wirklich viel damit zu tun, so eine Mischung aus - Shit, wir müssen jetzt irgendwie die Basics hinbekommen, das müssen wir auf jeden Fall tun, gepaart mit ein leichten Unverständnis, mit einem gefährlichen Halbwissen, oh, das wird bestimmt komplex oder oh, das ist bestimmt ganz schön teuer.

Ich glaube, das führt dazu, dass das ganze nicht so konkret betrachtet wird, um vielleicht an einen AHA-Moment zu kommen, wie hoffentlich jetzt im Rahmen dieses Podcast. Ah, okay, das ist vielleicht gar nicht so komplex. Ah, das geht auch damit. Das erreichte dann oftmals gar nicht so einen Reifegrad in irgendwelchen Diskussions- und Brainstorm-Runden, in irgendwelchen Strategie-Sessions. Sondern wird immer erstmal geschoben auf, ja, das ist dann Version 2.0. Das gucken wir uns dann in 2 Jahren nochmal an. Je mehr Leute, die wissen, nee nee, das ist gar nicht so schlimm, wie ihr denkt, es muss ja nur einer in einer Strategie-Session platzieren, nee nee, das ist auch gar nicht mehr so teuer und so komplex…

Sebastian Clauß: … also so ein konzeptionelles Thema. Eigentlich.

Manuel Raimund: Genau. Dann findet es auch zur Umsetzung. (...) Man braucht diese Leuchtturm-Projekte. Wo man dann erzählen kann, wie einfach das ging, was es uns gebracht hat, guck mal, die Attention ist hier hochgegangen oder die Kundenzufriedenheit ist hochgegangen. Was auch immer man irgendwo erreicht hat damit. Um solche Cases durch die Presse zu jagen. (...)

Ich fand es super interessant und auch für uns, die ja eigentlich tief im Thema stecken, sind da grundlegende AHA-Momente gewesen: Welche Technologie eignet sich für was, technisch ist man weiter als man befürchten können. Das spricht für mich eine eindeutige Sprache, dass grundlegend mehr Wissen geschafft werden muss. Klein starten und ausprobieren, Erfahrung damit sammeln und dann losgehen. Das wäre vielleicht noch eine gute Frage zum Abschluss: Was ist denn deine Empfehlung an die App-Publisher? Wie geht der vernünftig hin, soll er das Thema Technik erst einmal komplett außen vorlassen und wirklich auf den Use Cases konzentrieren und dann findet man schon eine technische Lösung oder was wäre Deine Empfehlung (...)?

Michael Wolf: Der App-Publisher, der Kunde selbst, die Agentur, die sich eine Idee ausdenkt, die sich die Usability anschaut, sollten sich anschauen, wie ist die Customer Journey und gibt es da bestimmte Dinge, wo ich den Ort nutzen kann, um noch ein besser Experience für den Kunden zur Verfügung zu stellen? Ob wir dann am Ende Geofencing oder Beacons oder was auch immer einsetzen, das ist dann nachher nur das Mittel zum Zweck. (...)

Und das Zweite ist, es muss nicht immer schon hochskaliert sein. Denn man darf nicht vergessen, wir sprechen von einer Zukunfts-Technologie, d.h. du wirst erst einmal nur einen kleinen Teil der Kunden erreichen, die auch ein gewisses Gefühl dafür entwickeln, dass es für sie einen Mehrwert hat. Diese Gruppe wird immer und immer größer werden. Du baust das nicht für deine jetzigen Kunden sondern für die von morgen. (...) Spätestens in zwei Jahren werden Kunden auf mobile Apps schauen und werden sagen, die ist noch nicht Location aware - wie kann das denn sein? Es wird eher zu einer negativen Markenwahrnehmung führen, wenn du den Content nicht zugeschnitten hast auf den Ort, auf den Zeit und auf das Gefühl der Nutzer. Die nächsten Generationen werden es nicht mehr akzeptabel finden, einfach die Masse an Content zur Verfügung gestellt zu bekommen. Es muss wirklich granuliert sein, sonst wird er nicht mehr wahrgenommen.

Manuel Raimund: Welche Fragen haben wir vergessen?

Michael Wolf: Es gibt die plakativen Fragen, die wir eigentlich immer hören. Ja, wer hat heutzutage schon Bluetooth aktiviert? Wir sitzen jetzt zu dritt am Tisch und alle drei haben wir eine Smartwatch am Arm. Das ist eigentlich auch immer die Standard-Antwort: Bluetooth ist das führende Signal, ob Smartwatch, ob Navigationssysteme oder Musik.

Und das zweite Thema ist, wie erzeuge ich denn jetzt Reichweite? Viele sagen, das ist ja super, dann kann ich ja Leute auf den Mobiltelefonen ansprechen, die mich noch gar nicht kennen. Da gab es einen Service von Google, die haben das ausprobiert. Die Nearby-Notification. Die haben den Chrome-Browser angesprochen, d.h. jedes Telefon, was den Chrome Browser hatte, konnte mit Push-Notification ansprechen.

Sebastian Clauß: Typisch Google.

Michael Wolf: Die haben vor zwei Wochen eine Pressemitteilung rausgegeben, dass dieser Service eingestellt wird. Oh, Wunder! Weil sie bemerkt haben, dass der viel zu viel für Spam genutzt wird. Hätte man sich vorher denken können. (...) Usability steht im Vordergrund und nicht immer die Reichweite.

Sebastian Clauß: Wenn Leute noch mehr erfahren wollen zu wingu, dann finden sie euch unter www.wingu.de.

Michael Wolf: Auf unserer Plattform kann man sich auch kostenlos registrieren. Kann also den ersten Use Case mit dem Geofence komplett durchspielen, ohne dass für unsere Plattform gezahlt werden muss. Übrigens für alle interessant, die für ihre Kunden einen Prototypen erstellen wollen. Das geht rasend schnell und da kann man dem Kunden schon zeigen, was man meint und wie das geht. Und ansonsten sind wir natürlich auch bei Twitter unterwegs und sind dort aktiv. (...)

auszuspielen oder aber gar nicht zur Verfügung zu stellen, weil man weiß, dass sie hier gar nicht relevant sind.

Manuel Raimund: Verstanden. Ich verbaue euer SDK in meine Mobil-App, besorge mir vielleicht noch die Hardware-Peripherie und kann mich dann - aus Publisher-Sicht - konzentrieren auf die konzeptionellen Sachen, auf die Marketing-Aspekte (...) und ihr handelt die komplexen, technischen Dinge im Hintergrund.

Michael Wolf: Ein super Beispiel ist die Essen Motor Show. Die Messe hat eine App und die benutzen unser SDK, um den ganzen Location Service darüber abzuwickeln. Das Gute ist, sie brauchen sich um die Technologien nicht zu kümmern: Sie hängen iBeacons auf oder definieren Geofences auf dem Gelände und haben dann von uns ein Content-Management-System, auf dem sie Videos, Soundfiles, Texte hochladen. Über das SDK wird dieser Inhalt (...) automatisiert in der App ausgespielt, wenn der Nutzer in der Nähe eines iBeacons und Geofence ist.

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Manuel Raimund: Hast Du das Gefühl, das Thema steckt tendenziell in den Kinderschuhen? (...) Wie viel ist noch Grundlagen schaffen und wie viel ist schon gereift?

Michael Wolf: (...) Ja, Location based ist noch recht am Anfang und das ist auch der Grund, warum wir immer noch Use Cases erläutern, was man damit machen kann, damit auch mehr Vorstellungskraft da ist, wie man es als Endkunde nutzen kann.

Wenn man sich jetzt anschaut, wie wir mit unserem SDK und unserer Plattform umgehen, dann haben wir noch eine zweite Herausforderung. Die Service orientierte Architektur. Also eine Software-Entwicklung, die auf mehreren Service beruht, ist in Deutschland noch nicht richtig angekommen. Da versucht jeder, alles selbst zu bauen. Z.B. Bilder-Komprimierungs-Services: Bilder an den Service schicken, sie komprimiert zurückbekommen und sie in der App einfach verwenden. Sich in der App also nur auf das Business zu konzentrieren und alles andere aus verschiedenen Profi-Services zusammen zu bauen. Wir kämpfen ein bisschen an zwei Fronten.

Manuel Raimund: Verstehe. Gab es in den letzten Jahren - auf technischer Ebene - große Durchbrüche, die besonders nennenswert sind? Oder ist es ein stetiger Prozess? (...)

Sebastian Clauß: Mich würde auch interessieren, wie passt das AR Kit 2 mit rein? (...)

Michael Wolf: In erste Linie haben sich die Location Trigger weiterentwickelt. Beacons gibt es seit mittlerweile 4 ½ Jahren. Die hatten am Anfang noch ein Riesenproblem mit der Batterieleistung. Bluetooth war da auch noch nicht soweit, dass man da viele Daten hin- und herschicken konnte. Da hat sich sehr viel getan: Du kannst Beacons ohne Stromanschluss aufhängen, die halten dann bis zu 10 Jahre und funken 40, 50 Meter.

Wo sich aber am meisten tut, ist auf der Software-Seite. Hardware-Herstellern liefern das  Infrastruktur-Management… und wir machen halt den dritten Part, die Utilisation von diesen Devises. Wir legen da sozusagen einen weiteren Software-Layer drauf und benutzten den Beacon, um dort eine Logik nach vorne zu bringen und in die Apps zu implementieren. (...)

Bei uns dreht sich alles um Core Location. Der App-Entwickler kann unseren Dienst nachher kombinieren mit z.B. AR Kid oder der künstlichen Intelligenz. Sodass der Kunde nicht mehr selber bestimmt, an welchem Ort welcher Content ausgespielt wird, sondern die künstliche Intelligenz schaut, was ist eigentlich der effektivste Moment und der effektivste Ort, um genau diesen Content auszuspielen. (...) Aber das ist Zukunftsmusik, da habe ich jetzt kein konkretes Beispiel, wo das nachhaltig implementiert wurde.

Sebastian Clauß: Aber ist ja ein No Brainer, dass das die Zukunft ist. Dass das kein Hype-Thema ist (...). Das ist ja wirklich etwas, wo jedem sofort einleuchtet, macht es Sinn, dass das Ding, auf dem ich so wie so die ganze Zeit herum drücke, mir auch jetzt in diesem Moment zu dem Ort relevante Daten darstellt. Hast du ein paar Beispiele, ein paar Projekte, ein paar Best Practices, die besonders Spaß gemacht haben. Um das ganze Ding etwas greifbarer zu machen. Macht ihr Museums-Apps, Supermarkt-Angebot-Push? Kannst du da ein bisschen aus dem Nähkästchen plaudern?

Michael Wolf: Ich greife unterschiedliche Beispiele aus unterschiedlichen Branchen auf, damit man mal sieht, wie groß die Bandbreite ist. In Österreich: Die Salzburg AG ist zum Einen Energieversorger und hat zum Anderen den öffentlichen Nahverkehr im Programm. Dort ist es so: Sobald ein Tourist in den Bus einsteigt, bekommt er die Information, auf welcher Linie er ist, wo die Linie in Kürze anhält und ob er in der richtigen Linie, wenn er es vorab ausgewählt hat - in seiner Landessprache. Ort und Sprache dienen dazu, den richtigen Content im Bus anzeigt - für diese Person.

Manuel Raimund: In diesem konkreten Fall - bekomme ich da eine Push-Notification? (...)

Michael Wolf: Der Content wird immer zwingend über die App distribuiert, d.h. irgendwo in der App verändert sich Content oder wird Content dargestellt. Und jetzt gibt es zwei Möglichkeiten, wie der Kunde darauf hingewiesen werden kann: Das Eine ist die klassische Push, die man so kennt. D.h. wir müssen den Kunden erst einmal darauf hinweise, hey, da ist jetzt in der App, wo man Tickets buchen kann, etwas passiert und das wird Dich jetzt interessieren. Im zweiten Fall ist es aber so, dass der Kunde die App möglicherweise so wie so auf hat, weil er sich gerade die Route ausgesucht hat und etwas verunsichert ist und eh schauen will, was ist denn die nächste Station? Und in dem Moment, in dem er in den Bus einsteigt, ändern wir dann die App-Oberfläche - so, dass der Kunde dann gleich angesprochen wird, mit dem Inhalt, den ihn genau in diesem Bus interessiert. Den interessiert ja nicht der gesamt Linienfahrplan. Auf dem er sich dann selber heraussuchen muss, was passiert denn hier jetzt gerade. Sondern für ihn ist jetzt genau das relevant, wo er sich gerade befindet.

Sebastian Clauß: D.h. der Bus funkt auch schon noch? Das ist nicht nur geo-basierend, aufgrund von Satellit? Die Busse sagen auch, hey, ich bin Bus 43. Du bist jetzt in mir drin.

Michael Wolf: Genau richtig. Der Vorteil unserer Plattform ist, wir benutzen unterschiedliche Technologien, um das abzuwickeln. Mit dem Geofence - das ist GPS basiert - (...) kann man gut den Busbahnhof abdecken. Hier könnte man die Kunde darauf hinweisen, hier gibt es ein Ticketservice, du kannst auch online buchen, du brauchst dich nicht anstellen, oder die Linie 23 hat Verspätung. Also Sachen, wo der Kontext ein wenig gröber sein kann. Sobald er in den Bus einsteigt, brauchen wir natürlich einen etwas genaueren Kontext, weil wir genau wissen, wo er in diesem Bus sitzt.

Da haben wir zwei Möglichkeiten: Wir können mit dem iBeacon arbeiten, der bis 40 Meter funkt. Wir können ihn aber auch so einstellen, dass er nur 2-3 Meter funkt. D.h. drei iBeacon im Bus positioniert, kann ich mit fast absoluter Sicherheit sagen, dass der jene im Bus sein muss, wenn er den iBeacon sieht. Oder aber ich arbeite mit NFC, wenn wir z.B. gleich eine Ticket-Validierung mitmachen, beim Einchecken und beim Auschecken. (...)

Das ist halt der Vorteil unserer Plattform, dass man alle Technologien abdecken kann. Wir sprechen immer von dem Trigger-Mix. Ganz oft sagen unsere Kunden, wir wollen ein Beacon-Projekt machen. Das sehen wir aber anders. Weil wir sagen, Du musst eigentlich ein Usability-Projekt machen und welche ist die richtige Technologie, um den richtigen Kontext abzudecken. Da kann man nicht einfach sagen, ich entscheide mich für die Technologie.

(...) Wenn wir mal den Schwung machen in die Industrie: Da arbeiten wir u.a. mit Vattenfall in Hamburg und Berlin zusammen. Die haben Pumpen-Kraftwerke mit iBeacon ausgestattet. Der Maintenance-Mitarbeiter kann morgens seine Wartungsrunde gehen und abhängig von seiner genauen Position sagen wir ihm, welche Elemente gerade zu überprüfen sind. Man muss sich vorstellen, in so einem Kraftwerk sind 10 - 15 Tausend Elemente. Und wenn er morgens los läuft, muss er natürlich wissen, was er genau prüft. Während so einer Runde wird der Mitarbeiter oft schnell abgerufen, um was zu reparieren. Und dann kommt er wieder zurück auf seine Runde. Wenn du das durchplanst, musst Du wieder da starten, wo du aufgehört hast. Bei uns ist das so: Er kann von der anderen Seite wieder reinlaufen in das Gebäude, und wir sagen ihm, hey, wo du gerade hier an diesem Eingang bist, da sind noch drei Sachen, die musst du hier noch überprüfen. Prinzip Location und Kontext: Das sind auch Warnhinweise - wenn er in bestimmte Bereiche kommt, wo er Sicherheitsausrüstungen tragen muss oder Gefahren bestehen, dann waren wir ihn auch da über seine mobile App.

Das ist jetzt mal so ein Industrie Case. Zeigt, dass es nicht immer nur Endnutzer sind, mit Werbung oder Push-Nachrichten verbunden sind, oder Advertising zu tun hat. Sondern es kann auch ein interner Business-Prozess sein, der dadurch erleichtert wird.

Für Lego haben wir einen schönen Case gemacht. Auf der Spielwarenmesse in Nürnberg haben die Besucher des LEGO-Standes ein Tablet bekommen, bevor sie auf ihren Rundgang sind. Und abhängig von ihrer genauen Position in den einzelnen Spielewelten haben sie Informationen auf das Tablett bekommen. Da haben wir auch das erste Mal unsere Vision von Liquid Content umgesetzt. Während Du das Tablet gehalten hast und du dich durch die Ausstellung bewegt hast, hat sich der Content dynamisch verändert. (...) Wir nennen das Liquid Content, weil es sich wie Flüssigkeit verändert. (...)

Manuel Raimund: Nehmen wir alle drei Beispiele. Gibt es da so eine Faustregel? Pi mal Daumen-Einschätzung: Ist Hardware der Kostentreiber, (...) ist das ein signifikanter Kostenblock in dem Gesamtkontext oder läuft das dann eher unter ferner liefen - dieses Hardware-Thema.

Michael Wolf: Für Geofence und für den QR-Code brauchst du keine Hardware. Bei uns auf der Plattform kannst Du anfangen, ohne überhaupt Hardware gekauft zu haben. Das ist der einfachste, kostenneutralste Einstieg. Wenn es denn um die iBeacons geht, arbeiten wir mit den wesentlichen europäischen Herstellern zusammen. Und da hat sich in den letzten Jahren unfassbar viel an dem Preis getan. Wir sind von 30, 40 Dollar runter auf 10 Dollar marschiert. Gleichzeitig hat sich die Batterielaufzeit von 3 Monate bis 1 Jahr auf bis zu 10 Jahren hochgetrieben. Es gibt welche, die kannst du in den USB-Pot stecken, die kannst du in die Steckdose stecken, d.h. Das Energiethema ist auch keine Frage mehr.

Also ja, die Infrastruktur ist ein Kostenfaktor, aber die musst du auch nicht all zwei Jahre austauschen. Und wenn es gut geplant ist und man nicht auf die allergünstigste Hardware aus China bestellt, sondern auf die Top-Hersteller setzt, dann hat man da lange was von. Dann ist das ein Infrastruktur-Investment, wird auch oft abgeschrieben über eine längere Zeit. Aber man kann ungefähr rechnen zwischen 10 und 15 Dollar pro Beacon.

Beim NFC-Chip wird es richtig günstig. Da liegen wir zwischen 15 und 25 Cent für einen NFC-Chip, deshalb werden die teilweise in T-Shirts, in Trikots eingearbeitet. Die werden an Produkte geheftet. Das ist eigentlich kein Kostenfaktor mehr, wenn man das Gesamtvolumen und vor allem auch den Nutzen für den Kunden sieht.

Manuel Raimund: Was haben die für eine Reichweite?

Michael Wolf: Zwischen 10 und 15 Zentimetern. Das kann unterschiedlich sein.

Wenn man die Kontext-Reihenfolge sieht - dann ist Geofence der große Hammer, mit dem ich eine größere Fläche belege. (...) Dann die nächste Stufe ist der iBeacon, wo ich zwischen 2 und 40 Meter einstellen kann, je nachdem, wie genau ich werden will. (...) Je wenige und geringer die Frequenz ist, um so länger hält die Batterie. Das ist also der nächste Faktor, wo der Kontext enger gesetzt werden. Und dann sind unser NFC und QR-Code gleichbedeutend. Beim NFC bin ich dann im Zentimeterbereich. Bedeutet also, ich muss wirklich mein Mobiltelefon heran gehalten haben, ich kann mit absoluter Sicherheit sagen, das er vor einem Gegenstand gestanden haben muss oder durch eine gewisse Schranke gegangen sein muss. (...)

Sebastian Clauß: Wenn es um die genaue Lokalisierung geht - können es zwei Beacon oder kann es ein Beacon?

Michael Wolf: Da läuft der Beacon einer Erwartungshaltung hinterher, für die er eigentlich gar nicht gedacht war. Viele denken, Beacon sind sinnvoll für Indoor-Navigation, und zwar die genaue punktuelle Definition, wo befindet sich gerade jemand. Aber: Dafür brauchst du Triangulation - Du brauchst drei Punkte im Raum, von denen du die Entfernung messen kannst. Und dann kann du mit Sicherheit sagen, wo jemand ist.

Es ist aber faktisch so, dass z.B. im Supermarkt oder im Bus, viele Menschen an dir vorbei oder um dich herum laufen. Davon wird natürlich das Bluetooth-Signal beeinflusst. Reflektion, Absorbation - das sind Dinge, die beeinflussen die Funkreichweite des Beacon und umso ungenauer wird die Triangulation. Und meines Erachtens war der Beacon gar nicht für vorgesehen. Sondern er wird dafür missbraucht und das Schlimmste dabei ist, er wird an dieser Leistung gemessen. (...) Wenn es um die Genauigkeit geht, geht es eigentlich um die Frage: Hänge ich einen Beacon auf, lass den nur zwei Meter weit funken, und dann kann ich dir sicher sagen, wenn du diesen Beacon siehst, kannst du nur maximal ein, zwei Meter von diesem Beacon entfernt sein, weil er in einer gewissen Wolke funkt. Nicht die genaue Bestimmung über Triangulation, wo du bist. Sondern ich lege Zonen fest und ich kann dir sicher sagen, dass du in dieser zwei Meter großen Zone bist, weil du den Beacon siehst. (...)

Manuel Raimund: Wie funktioniert das mit der Vermessung eines Raumes?

Michael Wolf: Das sind Dinge, die die Hardware-Hersteller mit dir machen. Wenn wir uns die Top-Hersteller anschauen - Estimote, kontakt.io, Blukii in Süddeutschland -, die bieten dir oft Installationsservice an. (...) Das ist nicht mehr unser Bereich. Sondern wir benutzen danach nur noch die tollen Zonen, die da aufgedeckt oder aufgebaut sind.

Manuel Raimund: Wir sind herumgeschlichen um das Thema Datensicherheit - (...) ist das ein Thema, was aufkommt? Klassischer Weise redet man über einen Opt-In, will der Benutzer das überhaupt, zu geballert werden, was sind so die Voraussetzungen, um die erfüllt haben zu müssen?

Michael Wolf: Die Lieblingsfrage, die wir momentan bekommen, ist die DSGVO. Das Einzige, was wir wissen ist, ob du in der Nähe eines Gegenstandes bist. Das ist also deutlich abstrakter, als wenn ich deine genauen GEO-Koordinaten weiß und diese verarbeite. Ich kann also sagen, da ist irgendwo ein Beacon und du bist da in der Nähe. Ich weiß aber nicht, wo der Beacon ist. Von daher haben wir es deutlich einfacher, was die DSGVO oder überhaupt die Datensicherheit angeht. Wir haben von Anfang an darauf geachtet, dass wir maximal anonymisieren.

Aber nichtsdestotrotz muss irgendwo ein Opt-In stattfinden, dass du Location Service benutzen darfst. Und das wird in erster Linie über die App und über die Bestimmung in der App geregelt. Der App-Install und die Zustimmung der Bedingungen sind der Opt-In. (...)

Manuel Raimund: Also klassischer Best Practice wie bei anderen Permissions auch: Wann frage ich und wie frage ich. Notifications sind eigentlich eine Sache, die ich konzeptionell in meiner App lösen muss: Dass ich erstmal die Nutzer in die App hole, der startet die App und dann erkläre ich ihm, was er jetzt davon hat, wenn er die Location Services aktiviert. (...)

Michael Wolf: Der wesentliche Kern ist, dass du Mehrwerte liefern musst. Meistens enden die Ideen, dass man sagt, ich geb einen 5%-Gutschein oder einen Fünfer hier und einen Fünfer da. Da lassen sich Kunden nicht wirklich aus der Reserve locken. Stell dir mal vor, du gehst mit deinem Kind durch den Zoo und die App kann dir in jedem Moment sagen, was ist das für ein Tier, was futtert es gerne, wo kommt es her, dann vielleicht noch ein bisschen animiert, mit Bildern unterlegt, also so, dass der ganze Zoo ein Erlebnis wird. Dann gehst Du zum Zoo, installierst die App, benutzt sie über den gesamten Zoo-Besuch, hast ein tolles, kindgerechtes Erlebnis, und dann gehst du am Ende aus dem Zoo wieder raus. Und ob du dann den De-Install machst oder auch nicht, das spielt erstmal überhaupt keine Rolle.

Manuel Raimund: Das ist kein Hype-Thema, da kommt am Ende auch wirklich was raus, was wirklich Mehrwert schafft. Und trotzdem, dass wir uns da ganz schnell einigen können, (...) den großen Durchbruch hat es noch nicht gehabt. Was, glaubst du, ist der Grund?

Sebastian Clauß: Manchmal gibt es ja auch Denkblockaden. Gibt es etwas, was du der Menschheit entgegen brüllen würdest. Eh, Location based ist nicht, wie ihr es euch vorstellt, es gilt ein bisschen das Zukunfts-Fass aufzumachen.

Michael Wolf: NFC wird nur mit Payment in Verbindung gebracht. Beacons werden eigentlich nur mit Push-Messages in Verbindung gebracht im Retail-Bereich. Geofencing wird eigentlich nur mit Navigation in Verbindung gebracht. Also man sieht, wie diese Technologien in eine Ecke gedrängt werden. Und das ist eigentlich der Hauptkern, den ich jedem mitgeben würde. Das man mal aus dieser Box heraus denkt. Und nicht sagt, ich habe mal irgendwo gehört, dass ein Beacon-Projekt bei einem Retailer nicht funktioniert hat, weil er nicht genug Reichweite hatte, also wird der Beacon nicht funktionieren. Das ist absoluter Unsinn. Dieser Gegenstand wird nur benutzt, um einen Kontext zu definieren. (...) In unserem Vattenfall Case - da benutzen wir es überhaupt nicht in Sachen Push und auch nicht in einem Retail-Zusammenhang oder in einem Werbe-Zusammenhang.

(...)

Manuel Raimund: Könnte es auch ein Hemmschuh sein, das Kunden sagen, Shit, ich muss mir - wenn ich eine geile Idee habe - selbst die Peripherie schaffen? (...)

Michael Wolf: Also mit Sicherheit. Zunächst muss die Idee da sein, smart sein, wie kannst du Location Content verwenden? Das Nächste ist die Content-Kreation. Es gibt keine Agentur, die sich darauf spezialisiert hat, Inhalte zu entwickeln, die wirklich Location basiert sind. Dann kommt der nächste Faktor - die Trigger. Geofence kannst du digital erstellen. Den Roll-out der Beacons haben die Hersteller inzwischen deutlich einfacher gemacht. Die Beacons werden vorkonfiguriert rausgeschickt. Du brauchst kein Know How, du brauchst keine Softwareentwicklung. Da haben wir also einen Teil der Komplikationen rausgenommen. Dann kommt der dritte Teil: Du hast eine mobile App und da muss der ganze Dienst eingebaut werden. Deshalb ist der Kern unserer Plattform so wichtig: Wir haben ein SDK, das sind 5 bis 10 Zeilen Code, die bindest Du in deine App ein und anschließend brauchst Du dich mit dem Thema Beacon Scanning, wie kommt der Content in deine App, muss ich ein Backend API entwickeln, das bist du komplett los. Auf der gesamten Kette der Komplikationen ist auf dem technischen Bereich sehr sehr viel getan worden, um es so einfach wie möglich zu machen. Und jetzt ist die Frage: Die guten Ideen und der Content müssen jetzt kommen. Weil der Rest ist eigentlich kein Thema mehr.

Manuel Raimund: Gute Situation für Leute wie uns. Für Produkt-Menschen, für Marketeers, für Leute, die sich mit Usability und echter Wertschöpfung für ihre Nutzer befassen. Die richtige Ausgangslage. Du hast nicht mehr riesige Kosten als Blockade, fürchterliche Einrichtungs-Arien, auf die keinen Bock hat, du kannst dich darauf konzentrieren… Wenn die Technik verschwindet und nur noch der Wert bleibt (...) dem Nutzer sollte es egal sein, ob NFC oder iBeacon oder Geofencing; den interessiert doch eigentlich nur, okay, ich bin hier hin und habe jetzt hier etwas Relevantes für mich bekommen.

Sebastian Clauß: … Er ist der nur von Magie umgeben.

Manuel Raimund: Ja, pure Magie.

Michael Wolf: Aus eurer Sicht - warum ist es für euch nicht so super präsent in jedem Projekt? Wo glaubt ihr denn, dass da die Hürde ist?

Sebastian Clauß: Das ist tatsächlich Unverständnis auf unserer Seite. (...) Wir haben nicht so die genaue Antwort parat, wenn der Kunde fragt, eigentlich ist das geil, aber wie aufwändig ist das denn? Ja, ehrlich gesagt, an dem und das wir nie mehr so ein Projekt realisiert haben. Und wirklich das praxisnah geguckt haben.

Manuel Raimund: Viele sind auf der Mobile-Leiter auf Level 2 oder Level 3 und ganz viele sind aber noch total damit beschäftigt, irgendwo Level 1 richtig gut hinzukriegen. Die Basics. Es hat wirklich viel damit zu tun, so eine Mischung aus - Shit, wir müssen jetzt irgendwie die Basics hinbekommen, das müssen wir auf jeden Fall tun, gepaart mit ein leichten Unverständnis, mit einem gefährlichen Halbwissen, oh, das wird bestimmt komplex oder oh, das ist bestimmt ganz schön teuer.

Ich glaube, das führt dazu, dass das ganze nicht so konkret betrachtet wird, um vielleicht an einen AHA-Moment zu kommen, wie hoffentlich jetzt im Rahmen dieses Podcast. Ah, okay, das ist vielleicht gar nicht so komplex. Ah, das geht auch damit. Das erreichte dann oftmals gar nicht so einen Reifegrad in irgendwelchen Diskussions- und Brainstorm-Runden, in irgendwelchen Strategie-Sessions. Sondern wird immer erstmal geschoben auf, ja, das ist dann Version 2.0. Das gucken wir uns dann in 2 Jahren nochmal an. Je mehr Leute, die wissen, nee nee, das ist gar nicht so schlimm, wie ihr denkt, es muss ja nur einer in einer Strategie-Session platzieren, nee nee, das ist auch gar nicht mehr so teuer und so komplex…

Sebastian Clauß: … also so ein konzeptionelles Thema. Eigentlich.

Manuel Raimund: Genau. Dann findet es auch zur Umsetzung. (...) Man braucht diese Leuchtturm-Projekte. Wo man dann erzählen kann, wie einfach das ging, was es uns gebracht hat, guck mal, die Attention ist hier hochgegangen oder die Kundenzufriedenheit ist hochgegangen. Was auch immer man irgendwo erreicht hat damit. Um solche Cases durch die Presse zu jagen. (...)

Ich fand es super interessant und auch für uns, die ja eigentlich tief im Thema stecken, sind da grundlegende AHA-Momente gewesen: Welche Technologie eignet sich für was, technisch ist man weiter als man befürchten können. Das spricht für mich eine eindeutige Sprache, dass grundlegend mehr Wissen geschafft werden muss. Klein starten und ausprobieren, Erfahrung damit sammeln und dann losgehen. Das wäre vielleicht noch eine gute Frage zum Abschluss: Was ist denn deine Empfehlung an die App-Publisher? Wie geht der vernünftig hin, soll er das Thema Technik erst einmal komplett außen vorlassen und wirklich auf den Use Cases konzentrieren und dann findet man schon eine technische Lösung oder was wäre Deine Empfehlung (...)?

Michael Wolf: Der App-Publisher, der Kunde selbst, die Agentur, die sich eine Idee ausdenkt, die sich die Usability anschaut, sollten sich anschauen, wie ist die Customer Journey und gibt es da bestimmte Dinge, wo ich den Ort nutzen kann, um noch ein besser Experience für den Kunden zur Verfügung zu stellen? Ob wir dann am Ende Geofencing oder Beacons oder was auch immer einsetzen, das ist dann nachher nur das Mittel zum Zweck. (...)

Und das Zweite ist, es muss nicht immer schon hochskaliert sein. Denn man darf nicht vergessen, wir sprechen von einer Zukunfts-Technologie, d.h. du wirst erst einmal nur einen kleinen Teil der Kunden erreichen, die auch ein gewisses Gefühl dafür entwickeln, dass es für sie einen Mehrwert hat. Diese Gruppe wird immer und immer größer werden. Du baust das nicht für deine jetzigen Kunden sondern für die von morgen. (...) Spätestens in zwei Jahren werden Kunden auf mobile Apps schauen und werden sagen, die ist noch nicht Location aware - wie kann das denn sein? Es wird eher zu einer negativen Markenwahrnehmung führen, wenn du den Content nicht zugeschnitten hast auf den Ort, auf den Zeit und auf das Gefühl der Nutzer. Die nächsten Generationen werden es nicht mehr akzeptabel finden, einfach die Masse an Content zur Verfügung gestellt zu bekommen. Es muss wirklich granuliert sein, sonst wird er nicht mehr wahrgenommen.

Manuel Raimund: Welche Fragen haben wir vergessen?

Michael Wolf: Es gibt die plakativen Fragen, die wir eigentlich immer hören. Ja, wer hat heutzutage schon Bluetooth aktiviert? Wir sitzen jetzt zu dritt am Tisch und alle drei haben wir eine Smartwatch am Arm. Das ist eigentlich auch immer die Standard-Antwort: Bluetooth ist das führende Signal, ob Smartwatch, ob Navigationssysteme oder Musik.

Und das zweite Thema ist, wie erzeuge ich denn jetzt Reichweite? Viele sagen, das ist ja super, dann kann ich ja Leute auf den Mobiltelefonen ansprechen, die mich noch gar nicht kennen. Da gab es einen Service von Google, die haben das ausprobiert. Die Nearby-Notification. Die haben den Chrome-Browser angesprochen, d.h. jedes Telefon, was den Chrome Browser hatte, konnte mit Push-Notification ansprechen.

Sebastian Clauß: Typisch Google.

Michael Wolf: Die haben vor zwei Wochen eine Pressemitteilung rausgegeben, dass dieser Service eingestellt wird. Oh, Wunder! Weil sie bemerkt haben, dass der viel zu viel für Spam genutzt wird. Hätte man sich vorher denken können. (...) Usability steht im Vordergrund und nicht immer die Reichweite.

Sebastian Clauß: Wenn Leute noch mehr erfahren wollen zu wingu, dann finden sie euch unter www.wingu.de.

Michael Wolf: Auf unserer Plattform kann man sich auch kostenlos registrieren. Kann also den ersten Use Case mit dem Geofence komplett durchspielen, ohne dass für unsere Plattform gezahlt werden muss. Übrigens für alle interessant, die für ihre Kunden einen Prototypen erstellen wollen. Das geht rasend schnell und da kann man dem Kunden schon zeigen, was man meint und wie das geht. Und ansonsten sind wir natürlich auch bei Twitter unterwegs und sind dort aktiv. (...)